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Trost finden

Ich bin überzeugt, dass ich keinen Trost “spenden” kann. Trost will meiner Erfahrung nach “gefunden” und aktiv aufgenommen werden.
Worte oder Handlungen können noch so gut und trostreich gemeint sein. Wenn der Mensch, für den sie bestimmt sind, dafür nicht offen ist, werden sie abgelehnt oder gar nicht wahrgenommen.

Eine nachhaltige Erinnerung an eine Situation, aus der ich getröstet und gestärkt hervorging, möchte ich gerne erzählen:
Als Studentin war ich in Freiburg oft an den Wochenenden alleine, die Mitstudierenden fuhren meistens ins nahegelegene Zuhause. Als ich so einmal ziemlich deprimiert und einsam durch die Stadt lief, kam mir eine Mutter entgegen, die einen Kinderwagen vor sich herschob. Mit Kindern konnte ich damals, ehrlich gesagt, nicht viel anfangen. Doch dann geschah es: ein Junge von knapp zwei Jahren schaute mich aus dem Wagen mit solch einem klaren und strahlenden Blick an, dass ich mich persönlich von ihm angesprochen fühlte. Mein Herz ging auf, ich konnte den Blick nicht von ihm lassen. Im Vorübergehen drehte ich mich nach dem Kind um und sah, dass auch der Junge mir nachschaute und nicht nachließ, mich anzustrahlen.
Diese Begegnung hat mich damals aufgerichtet und mir Kraft gegeben, die ich auch heute noch spüren kann, wenn ich daran zurückdenke.
Von welchem Menschen habe ich wohl damals diesen Blick als Trost annehmen können, und was wird wohl aus dem Kind geworden sein?
Und – wann ist der richtige Zeitpunkt, Trost zu finden und zuzulassen?